Babysitting als Gender Mainstreaming?
„Geschlechter in Balance“ – Ein Leitsatz, der heutzutage, sofern man den momentanen Berufsalltag betrachtet, nicht immer allgemeine Gültigkeit erfährt. Denn in welchem Berufsfeld befinden sich sowohl weibliche als auch männliche Geschlechter tatsächlich in Balance? Im Jobbereich des Babysittings mit Sicherheit nicht, denn wie allseits bekannt ist, werden Babysitting und Kinderbetreuung seit Jahren von Frauen dominiert. – Eine Tatsache, die dem Gender Mainstreaming jedenfalls keinesfalls entspricht und diesem demnach auch nicht gerecht werden kann.
Gender Mainstreaming als neuzeitlicher Terminus meint genau genommen die Gleichstellung der Geschlechter in sowohl allen Bereichen als auch auf allen Ebenen. Das daraus resultierende Qualitätsmerkmal „Geschlechtergerechtigkeit“ formt eine moderne Strategie mit völlig neuen Perspektiven, wonach strukturelle Gerechtigkeit, d.h. im Beruf, im Alltag, im Privatleben, etc., für Frauen und Männer herrschen soll. Dies schürt einen Prozess der sogenannten partizipativen Emanzipation, derer gemäß Frauen und Männer auf einer Stufe idente und gleichrangige Behandlung erfahren sollen. Betrachtet man diese Deklaration bezogen auf die Thematik der Kinderbetreuung, so wird schnell klar, dass Männer, die einen Nebenjob als Babysitter suchen, eher wenige Chancen haben werden. Wer engagiert schon einen Mann als Babysitter, wenn man doch eine Frau, die sich so zahlreiche für diesen Jobbereich anbieten, haben kann? – Eine Frau, ein zartes Wesen, dem man womöglich eine behutsamere Fürsorge zutraut als einem Mann?
Diese Tatsache, dass Frauen das „Berufsfeld“ Babysitting und Kinderbetreuung klar dominieren, entspricht keinesfalls den Grundsätzen des Gender Mainstreamings. Dementsprechend müssten Männer eine gleichberechtige Chance wie das weibliche Geschlecht haben, im Rahmen des Babysittings Jobmöglichkeiten zu erhalten. Aufgrund der Tatsache jedoch, dass Jobs im Bereich Babysitting stets mit Frauen in Verbindung gebracht werden, kommt Männern nicht mal ansatzweise die Chance zu, sich in diesem Berufsbild „bemerkbar“ zu machen, geschweige denn sich überhaupt durchzusetzen.
Um dieses Faktum mit klaren Ergebnissen zu unterstreichen, konnte im Rahmen zahlreicher Studien und Umfragen festgestellt werden, dass 95 Prozent aller Babysitter Jobs in Berlin an Frauen vergeben werden. Die restlichen 5 Prozent der Jobs kommen dem männlichen Geschlecht zu – jedoch auch nur solchen Männern, die bereits mehrjährige Erfahrung und umfangreiches Know-How in Sachen Kinderbetreuung vorweisen können. Viele der befragten männlichen Probanden gaben auch an, einen Job als Babysitter nur bekommen zu haben, weil sie selbst schon Vater sind und aus diesem Umstand klar und deutlich hervorgeht, dass eine fundierte Erfahrung vorhanden sein muss.
Ob sich der Grundsatz des Gender Mainstreamings auch im Berufsbild Babysitting und Kinderbetreuung jemals festigen und dauerhaft durchsetzen wird, wird die Zeit zeigen. Die derzeitige Situation kann von dieser Entwicklung in den nächsten zehn Jahren jedenfalls noch nicht ausgehen.
