Gender Mainstream “Immobilienmakler”
Die allgemeine Thematik der Gleichstellungspolitik bzw. Gleichstellungsorientierung von sowohl Mann als auch Frau ist heutzutage in aller Munde. Es gehört fast schon zum guten Ton, Männer und Frauen gleichermaßen zu behandeln – auch dann, wenn es zum Beispiel nur um die Schreibweise bestimmter Begriffe und Bezeichnungen geht: Verwendet man unter anderem den Terminus „Student“, so wäre die korrekte und genderspezifische Betitelung „StudentIn“. In anderen Worten: Man versucht, die Bedeutung und Wichtigkeit von Frauen ebenfalls immer weiter in den Vordergrund zu stellen. Aufgrund der Tatsache, dass viele Begriffe und Bezeichnungen im deutschen Sprachgebrauch vermehrt in der männlichen Form verwendet werden, wird eine gewisse Unwichtigkeit des weiblichen Geschlechts unterstellt.
Wir von www.gendermainstreaming.at beschäftigen uns auch im Rahmen dieses vorliegenden Artikels wiederum mit der allgemeinen Gender-Thematik. Unsere Aufmerksamkeit gilt dieses Mal dem Gender Mainstream „Immobilienmakler“. Dabei möchten wir uns folgenden Fragen schwerpunktmäßig widmen:
- Wie gestaltet sich das Gender Mainstreaming in der Immobilienbranche?
- Wie verbreitet ist die Schreibweise „ImmobilienmaklerIn“?
- Was ist das typische Bild eines Immobilienmaklers bzw. einer Immobilienmaklerin?
- Wie sieht das Gender Mainstreaming im Rahmen des virtuellen Immobilienmarktes aus?
Vorweg sei an dieser Stelle festgehalten, dass das Gender Mainstreaming in der Immobilienbranche noch keinen fest etablierten Status erreicht hat. Dies lässt sich vor allem daran erkennen, dass schlichtweg immer von einem „Immobilienmakler“ die Rede ist – also genau genommen von der männlichen Bezeichnung dieses Terminus. Wir haben diesbezüglich eine Umfrage durchgeführt und 100 Probanden gefragt, wie man einen Berufstätigen, bezogen auf das sowohl männliche als auch das weibliche Geschlecht, im Rahmen der Immobilienbranche bezeichnet. 83 der befragten Personen beantworteten die Frage ausschließlich mit „Immobilienmakler“; die restlichen 17 Probanden erwähnten in ihrer Antwort beide Geschlechter, das heißt „Immobilienmakler“ und „Immobilienmaklerin“. Unterzieht man dieses Ergebnis im Hinblick auf die Gender-Mainstreaming-Thematik einer genaueren Betrachtung, so wird deutlich, dass die Mehrheit aller befragten Probanden das männliche Geschlecht eines Immobilienmaklers mit der allgemeinen Immobilienbranche in Verbindung bringt. Dies lässt folglich darauf schließen, dass die Bedeutung und Wichtigkeit des weiblichen Geschlechts, also der Immobilienmaklerin, noch nicht signifikant durchgedrungen ist.
Werfen wir doch nun einen Blick auf den virtuellen Immobilienmarkt, um zu sehen, wie sich dort die Geschlechterverteilung von Männern und Frauen bzw. Immobilienmaklern und Immobilienmaklerinnen explizit gestaltet. Aus gegebenem Anlass führen wir unsere „Untersuchung“ auf Basis des völlig neu im österreichischen Immobiliensektor etablierten Immobilienportals Immobilienscout24.at (www.immobilienscout24.at) durch. Zu Ihrer Information: Immobilienscout präsentiert sich als Deutschlands größter Immobilienmarkt – eine gute Ausgangsposition also, um das Gender Mainstreaming einer profunden Analyse zu unterziehen. Die Startseite der österreichischen Immobilienplattform www.immobilienscout24.at ist völlig neutral gehalten, was bedeutet, dass es keine Hinweise auf ein bestimmtes Vorherrschen des männlichen oder weiblichen Geschlechts (Immobilienmakler vs. Immobilienmaklerin) gibt. Startet man hingegen den Suchprozess, genau genommen mittels der Eingabe von PLZ und Immobilientyp, und bekommt infolgedessen eine Reihe unterschiedlicher, zu den eingegebenen Suchkriterien passenden, Immobilien-Ergebnisse präsentiert, so kann beobachtet werden, dass sich auf der linken Seite einer jeden Immobilien-Vorstellung die jeweiligen Kontaktdaten des bzw. der zuständigen Immobilienmaklers bzw. Immobilienmaklerin befinden. Die Mehrheit dieser zuständigen Ansprechpartner sind wiederum Männer, also Immobilienmakler, was erneut beweist, dass die Orientierung des Gender Mainstreams in der Immobilienbranche noch nicht erfolgreich durchgedrungen ist.
