Gender Mainstream „Weihnachtsmann“
Gender Mainstreaming als moderner Terminus für Geschlechtergerechtigkeit bzw. Gleichstellung beider Geschlechter ist nicht nur in Beruf, Sport und anderen Sparten, sondern auch im ganz normalen Alltagsleben eine präsente Thematik. Demnach hat der Gender Mainstream auch das beliebteste Fest des Jahres, nämlich Weihnachten, und die damit verbundene Hauptperson, den Weihnachtsmann bzw. das Christkind, heimgesucht. Während in europäischen Gefilden stets vom lieben Christkind gesprochen wird, stellt in den USA beispielsweise der Weihnachtsmann, auch Santa Claus genannt, die wichtigste Person im Rahmen des Weihnachtsfestes dar. Doch in welcher Weise müssen sowohl das Christkind als auch der Weihnachtsmann hinsichtlich des Gender Mainstreams untersucht werden? Welches Geschlecht besitzen die beiden bzw. sind sie sich einander gleichgestellt?
Genau genommen sind im Rahmen dieses Aspekts zwei zentrale Sichtweise zu unterscheiden – nämlich die des Christkinds und jene des Weihnachtsmannes. Während der Weihnachtsmann stets als männliche, eher dickliche, Gestalt, mit rotem Anzug und weißem Bart dargestellt wird, kennen wir das Christkind als zierliche Gestalt mit blonden Haaren und einem weißen Seidenkleidchen – das Geschlecht des Christkinds ist hierbei stets nebensächlich. Demnach wird das Christkind weder als weibliche, noch als männliche Person dargestellt. Dieser Ansatz bzw., man könnte sogar sagen, diese Tatsache, findet sich ebenso im Rahmen vieler Weihnachtsgedichte, in welchen das Christkind thematisch behandelt wird, wieder. Auch Weihnachtssprüche oder Weihnachtszitate präsentieren das Christkind als „neutrales“, herzliches und weises Persönchen – dabei wird stets der Artikel „das“, welcher neutral für „neutrum“ steht, verwendet. Niemand weiß, warum dies so ist, doch anscheinend macht es Kindern und Erwachsenen nichts aus, das Christkind völlig geschlechterlos – weder männlich, noch weiblich – zu verehren.
Hierbei setzt auch der Aspekt des Gender Mainstreamings an: Betrachtet man die zentralen „Figuren“ der Weihnachtszeit im Hinblick auf deren Geschlechter, so wird schnell klar, dass das weibliche Geschlecht hierbei völlig vernachlässigt wird. Weder der Weihnachtsmann, das Christkind, Knecht Ruprecht noch Santa Claus oder das Jesuskind treten im Rahmen von Weihnachten mittels weiblichen Geschlechts auf. Die Charaktere und weihnachtlichen Figuren sind folglich entweder männlich oder neutral. Von einer weiblichen Weihnachtsfigur ist dabei nie die Rede und war es auch nie. Seit jeher wird der „Weihnachtsbote“ als männliche Figur klassifiziert ; Merkmale wie eine raue Stimme, ein langer weißer Bart, ein etwas dicklicher Bauch sowie ein rotes Kostüm sind dabei besonders essentiell. Eigentlich geben bereits diese Merkmale darüber Aufschluss, dass eine weibliche Weihnachtsfigur absolut untypisch und überhaupt nicht passend wäre. Ein weiblicher Weihnachtsmann? – Also eine richtige WeihnachtsFRAU mit weißen langen Haaren, keinem Bart, normaler Figur? Alleine die Vorstellung eines solchen Charakters würde gar nicht erst zu Weihnachten passen.
Tatsache ist, dass die rund um Weihnachten präsenten Weihnachtscharaktere nicht den Prinzipien des Gender Mainstreamings entsprechen. Doch weshalb ist das so? Liegt es vielleicht daran, dass eine Weihnachtsfrau nicht stark genug ist, um den Sack voller Geschenke zu tragen? Und warum wird dem eigentlichen Christkind kein eindeutiges Geschlecht zugewiesen?
Würde man die Thematik „Weihnachten“ den Grundsätzen des Gender Mainstreams gerecht betrachten, so müssten weibliche und männliche Weihnachtsfiguren gleichermaßen existieren und auch so behandelt werden. Diesen Leitsätzen kann jedoch nicht entsprochen werden, da ein Geschlecht, nämlich das weibliche, gar nicht erst existiert, sondern nur das männliche. Folglich existiert im Rahmen von Weihnachten keine Geschlechtergerechtigkeit bzw. Gleichstellung beider Geschlechter, wodurch das Regelwerk „Gender Mainstreaming“ auf Weihnachten und die damit verbundenen Figuren und Charaktere nicht angewendet werden kann.
