Gender Mainstreaming im Radsport
Wie bereits im einleitenden Beitrag dieses Portals ausführlich deklariert wurde, handelt es sich im Rahmen des Gender Mainstreamings um die Geschlechtergleichstellung sowie die Gleichstellungsorientierung von Frauen und Männern in allen Belangen. Auch im Radsport spielt diese Thematik eine führende Rolle, sofern man bedenkt, dass das bedeutendste Radrennen der Welt, nämlich die Tour de France, ausschließlich von Männern dominiert wird. Seit 1903 findet die Tour de France alljährlich, mit Ausnahme der Etappen während des Ersten und Zweiten Weltkrieges, stets drei Wochen im Juli statt. Der spektakuläre Rad-Event, das nach der Fußball-Weltmeisterschaft sowie den Olympischen Spielen als drittgrößte Sportveranstaltung der Welt gilt, führt dabei in wechselnder Streckenführung quer durch Frankreich und nahe angrenzende weitere Staaten. Bis heute sind zur Tour de France keine weiblichen Radfahrer zugelassen. – Ein Aspekt, der sich klar gegensätzlich zu den Forderungen des Gender Mainstreamings ausspricht.
Obwohl die Tour de France weltweit allumfassende Beliebtheit erfährt, blickt niemand hinter die wahren Hintergründe dieses Sportereignisses. Grund hierfür ist wohl der glänzende Effekt, sobald der Terminus „Tour de France“ nur ausgesprochen wird. Nur sehr wenige bedenken jedoch, dass die Tour de France sich gegen das weibliche Geschlecht ausspricht. Wäre es anders, so hätte sich in den letzten 100 Jahren ein Umdenken auftun müssen – nämlich ein Umdenkenrennr, das dafür einsteht, auch Frauen auf einem Rennrad im Rahmen des drittgrößten Events der Welt durch Frankreich fahren zu lassen. In anderen Worten: Die Tour de France operiert keinesfalls nach den Regeln und Aspekten des Gender Mainstreamings. Somit werden seitens dieser Veranstaltung Grundsätze wie Gleichstellungspolitik beider Geschlechter in allen Belangen ignoriert.
Zwar hat man sich 1984 dazu entschlossen, eine Tour de France der Frauen, nämlich „La Grande Boucle Féminine Internationale“, auszutragen, jedoch kann diese der Gleichstellungsorientierung gemäß dem Gender Mainstreaming nicht zu hundert Prozent gerecht werden. Der Grund liegt darin, dass die Frauen zwar ihre eigene Veranstaltung haben. aber dadurch vom größeren Sportereignis, nämlich der eigentlichen Tour de France, abgegrenzt werden. Würde es nach den Grundsätzen des Gender Mainstreaming gehen, so müssten die Frauen ganzheitlich in das Hauptevent der Tour de France miteinbezogen werden.
Was das Gender Mainstreaming im allgemeinen Radsport betrifft, so sei festgehalten, dass dem Geschlecht der Frauen hierbei eine vollständige Gleichstellungsorientierung zukommt. Als Beispiel hierfür kann die Internationale Thüringen-Rundfahrt der Frauen angeführt werden. Die Internationale Thüringen-Rundfahrt der Frauen ist ein namhaftes Frauen-Radrennen im Osten Thüringens, welches in die höchste UCI-Kategorie eingestuft wurde und Teil der neuen Deutschen Meisterschaft ist. Berühmte Radlerinnen wie Linda Villumsen, Judith Arndt, Nicole Cooke, Theresa Senff oder Sulfija Sabirowa glänzen auf ihrem Fahrrad, das sie über vier Etappen und insgesamt 210 km rund um Zeulenroda führt. Wichtige Etappenorte sind oft die Städte Zeulenroda-Triebes, Schleiz, Greiz, Gera und Schmölln. Tatsache ist, dass Frauen im Rahmen dieses Events die Möglichkeit haben, ihre Geschlechtergleichstellung äquivalent zu den Männern klar zum Ausdruck zu bringen, da dieses Radrennen in seiner Bedeutung nicht über einem reinen Männer-Radrennen des allgemeinen Mitteklasse-Radsports positioniert ist. Somit kann die Internationale Thüringen-Rundfahrt der Frauen als Musterbeispiel für die Einhaltung der wichtigsten Grundsätze des Gender Mainstreamings im Radsport angesehen werden. – Ein respektvolles Beispiel, das sich auch die Tour de France der Männer zu Herzen nehmen sollte.
